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Zur Freiheit des Wortes und der Autonomie der Kultur

Dass der Staatsminister für Kultur drei Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis ausschließt, weil ein Geheimdienst vage Vorbehalte äußert, lehnen wir ab. Wir halten diesen Schritt für bedrohlich. Als Verlag, dessen Geschichte eng damit verknüpft ist, wie wir die Freiheit des Geistes verteidigen und uns gegen staatliche Übergriffe auf das Wort wehren, sehen wir hier einen gefährlichen Präzedenzfall.

Zur Freiheit des Wortes und der Autonomie der Kultur

Was das für unsere Arbeit bedeutet: Buchhandlungen sind für uns viel mehr als nur Verkaufsstellen; sie sind die Orte, an denen unsere Demokratie lebendig bleibt. Für unsere Autorinnen und Autoren sind sie unverzichtbare Resonanzräume. Wenn der Staat beginnt, Buchläden aufgrund von »Hinweisen« zu markieren, die unterhalb einer strafrechtlichen Relevanz liegen, trifft das auch die Schreibenden. Es entsteht ein Klima, in dem nicht mehr das beste Argument zählt, sondern die politische Konformität.

Unsere Positionen dazu:

Die Jury muss unabhängig bleiben: Ein Fachpreis verliert seine Glaubwürdigkeit, wenn die Qualität der buchhändlerischen Arbeit durch politische Prüfungen entwertet wird. Das Urteil von Experten darf nicht unter dem Vorbehalt einer Behörde stehen, deren Kriterien im Verborgenen bleiben.

Streitkultur aushalten: Eine wehrhafte Demokratie zeichnet sich dadurch aus, dass sie Kritik und radikale Debatten nicht nur aushält, sondern ermöglicht. Läden wie »The Golden Shop«, »Zur schwankenden Weltkugel« und die »Rote Straße« liefern der Gesellschaft das Material, das sie für diese Auseinandersetzung braucht. Sie als Staatsfeinde zu markieren, ohne dass sie gegen Gesetze verstoßen haben, widerspricht dem Geist eines offenen Kulturstaates.

Gegen die schleichende Überwachung: Das sogenannte »Haber-Verfahren« unterwirft die Kultur einer Kontrolle durch Geheimdienste. Wer Preise entzieht, muss offen sagen, warum er das tut, und sich der Diskussion stellen. Ein Verfahren, das auf intransparenten Dossiers basiert, untergräbt das Vertrauen und führt zu einer Art Vorab-Zensur durch die Behörden.

Unsere Solidarität: Wir stehen fest an der Seite der betroffenen Buchhändlerinnen und Buchhändler. Staatliche Kulturförderung ist kein Belohnungssystem für angepasstes Verhalten. Sie ist die notwendige Anerkennung einer Arbeit, die unsere Gesellschaft erst demokratisch macht, indem sie ästhetische und politische Bildung ermöglicht.

 

S. Fischer Verlag Die Geschäftsführung